#3 Generation Y

https://www.youtube.com/watch?v=vudaAYx2IcE

(von Simon Sinek)

Als ich dieses Video zum ersten Mal gesehen habe, hat mich eine Sache ziemlich gestört. Es war diese begleitende Überschrift. Ich habe mir nämlich die Version angeschaut, in der in das Video der folgende Satz (in Großbuchstaben) eingeblendet war:

“If you are a millenial, watch this!“ 

Die gesamten 15 Minuten war dieses Video eingerahmt von diesem Satz. Und als ich es später noch mal auf LinkedIn gesehen habe wurde ebenfalls diese Version verlinkt. Und die Kommentare hier aber auch offline waren mehrheitlich in dem Tenor, dass Millenials sich das genau anschauen sollten, um zu verstehen warum diese Generation vermeintlich Probleme im Berufsleben hat. Stichwort: keine Resilienz, schwer zu managen (im Berufsleben), naive Weltverbesserer, zu hohe Forderungen, Spaß an erster Stelle, usw.

Und obwohl Simon Sinek ziemlich am Anfang selber sagt, dass Millenials schwer zu managen sind habe ich sein Interview zu keinem Zeitpunkt als direkte Kritik an dieser Gruppe von Menschen verstanden.  Ich begreife das Video eher als eine Art Erklärung eher sogar Aufklärung, die sich an viele Beteiligte (im Berufsleben aber auch Privat) wendet und als einen Apell an eine bestimmte Gruppe von Menschen.

Bevor ich erkläre warum ich das so empfinde, habe ich aber noch mal bei Wikipedia nach der Definition geschaut, über wen wir hier eigentlich sprechen. Die Millenials oder auch Generation Y genannt sind Menschen, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden. Laut Simon Sinek die Menschen, die ab 1984 auf diesem Planeten leben. Also Menschen die heute in etwa zwischen 19 und 34 Jahre alt sind.

Ich lasse bewusst die Frage aus, ob man eine so große Gruppe von Individuen generell über einen Kamm scheren sollte.

Interessant finde ich aber auch, in welchem Alter die Eltern dieser Generation heute sind. Unterstelle ich eine Altersspanne von 25 bis 40 Jahren der Eltern bei der Geburt der Generation Y müssten die Eltern heute zwischen 34 und 74 sein. Wenn ich mir erlaube es etwas einzugrenzen ist die Mehrheit der Eltern von Millenials wahrscheinlich zwischen 40 und 70 Jahren.
Warum ich das relevant finde, versteht man am besten, wenn man sich Sinek’s Gliederung seiner Beschreibung in 4 Themenbereiche anschaut:

1) Elternschaft
2) Digitale Medien
3) Ungeduld
4) Organisationen

Elternschaft

Simon Sinek erklärt, dass die Generation Y von Ihren Eltern mit „falschen Strategien“ herangezogen wurden. Ich weiß nicht, ob es den Begriff Helikopter Eltern im englischen gibt, oder ob er aus dem englischen abgeleitet wurde. Aber dieser Begriff war das erste was mir in den Sinn kam. Eltern, die jede Schwierigkeit auf die Ihre Kinder stoßen könnten aus dem Weg räumen. Eltern, die Kinder in Studiengänge einklagen, Lehrern Konsequenzen androhen, wenn es keine gute Noten für Ihre Schützlinge gibt. Wichtig finde ich aber den Satz: Es ist nicht die Schuld dieser Kinder. Die Generation Y ist nicht schuld. Ich glaube das Interview will generell mehr als die Schuldfrage klären (wenn überhaupt), aber was diesen Abschnitt angeht, sollten sich die Eltern der Generation Y, und die jetzt werdenden und jungen Eltern sich dieses Video anschauen.

Digitale Medien

Simon Sinek erklärt sehr anschaulich und mit tollen Praxisbeispielen, warum die Digitalen Medien uns süchtig machen (Ausschüttung  von Dopamin) und warum dies ein Problem ist.  Im Falle eines Missbrauchs (Sucht) von Sozialen Medien werden die menschlichen Beziehungen beeinträchtigt. Spannend finde ich sein Beispiel aus dem Geschäftsalltag. Wenn in einem Businessmeeting Handys auf dem Tisch liegen („Face up or down , I don’t care“) sendet das unweigerlich die Botschaft an den Gegenüber, du bist mir nicht so wichtig. Auch das Benutzen des Handy vor dem Meeting verhindert diese vielen kleinen Kommunikationsmomente, die uns in Beziehung mit den Kollegen bringen. Wenn Ihr/Sie das nächste mal in einem Meeting seid, und Ihr/Sie noch keine strikte „No Handy Policy“ habt: Ich wage zu behaupten, Handys in Meetings sind kein Generation Y Problem. Das zieht sich durch alle Alters- und Karrierestufen.
(Und übrigens gilt das auch für zu Hause. Mir fällt es auch extrem schwer, zu Hause das Handy zu ignorieren. Zumindest habe ich bereits einen analogen Wecker und lade mein Handy im Wohnzimmer, ein kleiner Anfang...)

Ungeduld

Der Abschnitt Ungeduld ist auch spannend, wenn man es sich einfach mal bewusst macht, wie unsere Gesellschaft mittlerweile funktioniert. Und hier behaupte ich auch, dass es kein Generation Y exklusives Thema ist. Es ist nur so, dass diese Generation von Anfang an, damit gelebt hat. (zumindest die jüngeren) Es geht um die unmittelbare Wünsche Erfüllung. („Instant Gratification“) Ich möchte etwas kaufen; morgen im Briefkasten. Ich möchte einen Film laden; Streamingdienst gestartet. Ich möchte jemanden Daten; schnell nach rechts gewischt. Wir (alle) müssen heute auf fast nichts mehr warten. Und das entwertet viele Tätigkeiten und Dinge, die wir tun oder besitzen. Am Ende geht die Wertschätzung verloren. Am Ende glaubt man, dass man jeden Gipfel erreichen kann, ohne den Berg besteigen zu müssen.
(Sagt der, der sich auf über 4000 Metern Höhe mit dem Bus hat fahren lassen.)

Organisationen

Jetzt kommt der für mich spannendste Abschnitt. Hier versteckt (oder auch gar nicht so versteckt) sich für mich der eigentliche Aufruf des gesamten Videos. Diese Generation Y wird dann in Organisationen und Unternehmen gesteckt, die sich mehr um die Zahlen sorgen, als um unsere Kinder. Unternehmen, die sich mehr um das Geschäftsjahr sorgen/kümmern, als um die Lebenszeit dieser jungen Menschen. Diese Unternehmen helfen dieser Generation nicht bei den vielfältigen Themen die sie beschäftigen. Und die ultimativ bewegende Aussage ist, dass es einen großen Mangel an guter Führung in dieser Welt gibt. Und ich sagte oben, dass es nicht um die Schuldfrage geht, aber in der Frage wer jetzt einen Unterschied machen kann ist Simon Sinek glasklar: Es ist Aufgabe und Verantwortung der Wirtschaft, der Unternehmen und der Organisationen jetzt extra hart daran zu arbeiten einen Unterschied zu machen.  Menschliche Beziehungen  und Gefühle auch im Business wieder zu fördern und wertzuschätzen. Kleine und große Rituale, di der Generation Y (und eigentlich allen Mitarbeitenden) eine Weiterentwicklung ermöglichen.

Und wer sollte sich das Video nun anschauen?

Und wenn ich dann die Frage beantworten müsste, wer sich dieses Video eigentlich anschauen müsste. Dann würde ich sagen: Alle die, die heute Führungsverantwortung in Organisationen haben, die Vorbilder sein wollen, die was entscheiden dürfen, die einen Unterschied machen können. Und es gibt eine große Chance, dass dieser Personenkreis, die heute in Unternehmen aufgrund ihrer Hierarchischen Stellung was bewegen können gleichzeitig Eltern genau dieser Generation Y sind.

Euer/Ihr Marco Beckers

PS: Mittlerweile weiß ich, dass das Originalvideo die Überschrift „The Millenial Question“ hat und der Untertitel von Simon Sinek selber dazu lautet:

„Millennials: too many companies you will work for are not built to take care of you. Until that changes, please take care of each other.“

In diesem Sinne, passen wir gegenseitig auf uns und unsere Kinder auf.

Kommentare